Veröffentlichungen, Dr. Norbert Pflüger
09.04.2013

Leserbrief zum NSU-Prozess

„Nach zehn NSU-Morden bei acht türkischstämmigen Opfern ruft ein Gericht, das türkischen Pressevertretern die Prozessbeobachtung im Gerichtssaal nicht ermöglicht, einen fatalen Eindruck hervor. Nämlich den, dass es von einem Vorverständnis geleitet wird, das unter Verweis auf Gleichbehandlung die besondere rassistische Qualität der NSU-Taten ignoriert (selbst wenn dieser Eindruck im Ergebnis ungerechtfertigt sein sollte). Sich bei der Verteidigung dieser Entscheidung auf die Unabhängigkeit der Justiz zu berufen, ist der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Mich beschämt die Entscheidung dieser unabhängigen Justiz. Ich finde, dass eine Ministerin, die diese Entscheidung unter Berufung auf das vom Gericht gewählte „Windhundprinzip” rechtfertigt, mit der Verantwortung ihres Amts überfordert ist. Dass sie im Vorfeld die Ausgestaltung des Öffentlichkeitserfordernisses im NSU-Prozess mit der Justizverwaltung abgeklärt haben will, nehme ich ihr nicht ab.”

Dr. Norbert Pflüger, erschienen in Süddeutsche Zeitung, 9. April 2013, Seite 9