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Zitiert, Dr. Norbert Pflüger
01.03.2010

Ich will mehr

Eine Branche, ein Tarifvertrag? Das könnte bald Geschichte sein, wenn das Bundesarbeitsgericht – wie angekündigt – seine Rechtsprechung ändert. Was kommt dann auf die Unternehmen zu?

Zu dieser Frage kam neben dem Personalleiter des Klinikkonzerns Damp Holding, Niels Bunzen, und dem Geschäftsführer des Flughafens Stuttgart, Georg Fundel, auch Anwalt Dr. Norbert Pflüger zu Wort: „Die Auflösung der Tarifeinheit wird weitreichende Auswirkungen auf die Gewerkschafts- und Tariflandschaft haben. Bislang galt grundsätzlich nur ein Tarifvertrag in einem Betrieb. Welcher Tarifvertrag sich durchsetzte, war von der Organisationsstärke der tarifschließenden Gewerkschaft anhängig. Damit wurden die großen Gewerkschaften begünstigt, die kleinen aber benachteiligt, denn deren Tarifverträge wurden verdrängt. Durch die Anerkennung mehrerer Tarifverträge in einem Betrieb würden Spartengewerkschaften mehr Gehör finden. Einzelne Berufsgruppen verabschieden sich schon jetzt aus der Bevormundung durch die Großen, etwa der Marburger Bund oder die Vereinigung Cockpit. Diese Vereinigungen mobilisieren ganz bestimmte Berufsgruppen, die meist Schlüsselpositionen in einem Unternehmen besetzen. Ihre starke Verhandlungsmacht könnten sie dann verstärkt für eigene Tarifziele nutzen. Die Folge: Unternehmen müssen mehr auf spezifische Gruppen reagieren, sonst drohen lähmende Streiks. Und die großen Gewerkschaften müssen sich mehr um alle Gruppen bemühen, nicht nur um ihre Kerntruppen. Denn viele kleine Schnellboote könnten bald die großen Tanker überholen. Die Tarifpluralität wird also zu einem stärkeren Wettbewerb führen.”

Dr. Norbert Pflüger, zitiert in enable 03/2010 (Magazin der Financial Times Deutschland), Rubrik WAS TUN? Ein Fall für drei, Seite 4