Veröffentlichungen, Dr. Norbert Pflüger
10.12.2019

Gibt es im Homeoffice eine Arbeitszeitgrenze?

Dr. Norbert Pflüger, erschienen in F.A.S., 8. Dezember 2019, Beruf und Chance, „Mein Urteil”

Mobiles Arbeiten – im Café, Homeoffice oder unterwegs – soll Arbeitnehmern mehr Freiheit bieten. Sie sind nicht mehr an einen Arbeitsplatz und starre Zeiten gebunden. Sorgt im klassischen Arbeitsverhältnis das Gesetz für Erholungsphasen, müssen mobile Mitarbeiter Grenzen selbst setzen. Oder darf der Betriebsrat intervenieren? Viele verbinden mit mobilem Arbeiten Freiheit und Familienzeit, aber es kann auch zu Stress, Ermüdung und Gesundheitsschäden führen. Um das zu vermeiden, gibt das Arbeits­zeitgesetz Ruhezeiten, eine werktägliche Arbeitszeit von acht Stunden und eine Höchstarbeitszeit von zehn Stunden vor. Aber kann bei mobilen Arbeitsplätzen die Arbeitszeit eingegrenzt und kontrolliert werden? Auch dort können Betriebsräte (und einsichtige Arbeitgeber) dafür sorgen, dass Überlastung und Burnout nicht zum Beglei­ter kurzsichtiger Selbstausbeutung werden. Der Betriebsrat hat ein Mitbe­stimmungs­recht beim Arbeitszeitrahmen. Da das Arbeiten außerhalb von Betriebs­gebäuden die betriebliche Ordnung betrifft, kann er verlangen, dass die berufliche Nutzung von Smartphones, Computern und Co. nach bestimmten Uhrzeiten blockiert wird. Der Arbeitgeber muss darüber verhandeln, will er nicht, dass eine Einigungs­­stelle Regeln setzt. Benötigt er Arbeits­leistungen außerhalb der betriebs­üblichen Zeiten, kann er einen Antrag beim Betriebsrat stellen. Der wird zustimmen, wenn er gut begründet ist.
 
Norbert Pflüger ist Inhaber und Geschäftsführer der Kanzlei Pflüger Rechtsanwälte in Frankfurt am Main.