Veröffentlichungen, Dr. Norbert Pflüger
18.07.2018

Leserbrief „Naidoo darf nicht Antisemit genannt werden“

„Sehr geehrte Damen und Herren,
 
ich weiß nicht, ob Naidoo ein Antisemit ist. Dafür spricht, dass er sich die Klaviatur antisemitischer Vorurteile zunutze macht. Demjenigen, der von „Baron Totschild“, spricht, der den „Ton angibt“, ist die Benutzung antisemitischer Klischees anzulasten.  Dass er seinem Sohn einen hebräischen Namen gab und dass er jüdische Freunde hat, entlastet nicht. Mit seinen lockeren Sprüchen über „Baron Totschild“ wollte er nach eigener Aussage die Macht der Banken geißeln.  Die größte deutsche Bank heißt „Deutsche Bank“ und nicht „Bankhaus Rothschild“. Schlimmer als Naidoos Umgang mit antisemitischen Vorurteilen ist allerdings die Auffassung der Regensburger Richter. In dem Land, dass die Schoa organisiert hat, soll  der Antisemitismusvorwurf an besondere Voraussetzungen gebunden werden. Will heißen: In Frankreich darf man den Antisemitismusvorwurf erheben, aber nicht im Land der Täter, weil er gerade hier so schwerwiegend ist. Diese Einschränkung der freien Meinungsäußerung ist nicht hinnehmbar. Sie ist schlicht verfassungswidrig.
 
Mit freundlichem Grüßen 
Dr. Norbert Pflüger”
 
Leserbrief, Dr. Norbert Pflüger, gesendet an Süddeutsche Zeitung und F.A.Z., 18.07.18, nicht veröffentlicht