Veröffentlichungen, Dr. Norbert Pflüger
04.08.2019

Was tun bei rassistischen Beleidigungen?

Dr. Norbert Pflüger, erschienen in F.A.S., 4. August 2019, Beruf und Chance, „Mein Urteil”

Soziale Netzwerke werden immer wieder zum Mittel, um Mitmenschen aufs übelste herabzusetzen: In Südwestdeutschland beleidigte ein Arbeiter seinen türkischen Kollegen. In einer Whatsapp-Mitteilung behauptete er, dass „wir Deutschen“ die „Zweit- oder Drittfrau“ von Muslimen mit einem „Zweit- oder Drittjob“ finanzieren müssten. Später übermittelte er dem Kollegen das Bild einer Moschee. Kommentar: „In Bayern wurde eine Moschee eröffnet, und beim ersten Gebet sind einige Bayern eingedrungen und haben ein paar Schüsse in die Luft geschossen.“ Er schicke die Nachricht, „damit du hörst, wie der Prediger sein Gebet geändert hat“. Man hört über die Tonspur, wie der Gebetsgesang durch Schüsse unterbrochen wird, und Angstschreie. Der Arbeitgeber kündigte dem Mitarbeiter außerordentlich und fristlos. Das Arbeitsgericht Stuttgart (Az. 11 Ca 3738/18) hielt die Kündigung für wirksam. Grobe Beleidigungen von Kollegen sind geeignet, die Kündigung zu rechtfertigen. Da half es dem Täter auch nicht, dass er mehr als 20 Jahre im Betrieb beschäftigt und schwerbehindert war. Die Entscheidung ermutigt, hinzuschauen: Es sollte jedem Chef klar sein, dass er Diskriminierungsopfer schon von Gesetzes wegen zu schützen hat. Aber auch Betriebsräte sind gefordert. Sie können – und müssen im Einzelfall – die Entlassung von Hetzern verlangen. Respekt und Menschlichkeit sind Werte, die man immer aufs Neue verteidigen muss.
 
Norbert Pflüger ist Inhaber und Geschäftsführer der Kanzlei Pflüger Rechtsanwälte in Frankfurt.